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Periskop 2005 / 04
Interview
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Interview mit Oswald Menninger
Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtverbandes

 

Periskop:
Vor Einführung der Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung (MAE) wurde diese, auch vom DPW, sehr kritisch betrachtet. Haben sich Ihre Befürchtungen bestätigt?

Herr Menninger:
Wir haben nicht die Einführung von Arbeitsgelegenheiten kritisch gesehen, sondern insbesondere Harz IV im Hinblick auf die politischen Erwartungen, dass damit die Massenarbeitslosigkeit wirksam bekämpft werden kann. Wir haben in der Vergangenheit immer gesagt, dass nur die Entstehung neuer Arbeitsplätze einen nachhaltigen Beitrag zur Senkung der Arbeitslosigkeit leisten kann. Und es war für uns deshalb unstrittig: dafür benötigen wir ein viel höheres Wirtschaftswachstum. Aus diesem Zusammenhang heraus haben wir Reformen gefordert, die die ausschließliche Finanzierung der Sozialsysteme vom Faktor Arbeit entkoppeln und die eine stärkere Flexibilisierung des Arbeitsmarktes ermöglichen.

Weiterhin habe ich die Befürchtung, dass die geplanten Reformen der neuen Bundesregierung zu kurz greifen, um die wirtschaftlichen Fehlentwicklungen seit den 80er und 90er Jahren zu korrigieren.

Periskop:
Sehen Sie für Langzeitarbeitslose, insbesondere für Jugendliche, die Möglichkeit, mit diesen MAE`s eine reelle Chance für eine Arbeit auf dem regulären Arbeitsmarkt zu bekommen?

Herr Menninger:
Auch bei dieser Frage kann ich nur gebetsmühlenhaft wiederholen: Über MAE`s kann die Chance auf Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt nur für den Einzelnen individuell verbessert werden. Generell können vorhandene berufliche Qualifikationen erhalten und den Anforderungen des allgemeinen Arbeitsmarktes angepasst werden.

Bei Jugendlichen können z. B. die häufig fehlenden Voraussetzungen für eine Ausbildung erst geschaffen werden. Bei einem Teil der Jugendlichen führen die Sanktionsmöglichkeiten der Arbeitsgemeinschaften bei der Ablehnung einer MAE sicher dazu, dass sie früher ihre individuelle Chance auf Eingliederungshilfe in reguläre Ausbildung und Beschäftigung wahrnehmen.

Periskop:
Gibt es Bereiche, die für den Einsatz von MAE-Kräften besonders geeignet sind?

Herr Menninger:
Die Bereiche, die für den Einsatz von MAE-Kräften in Frage kommen, sind durch die geforderte Zusätzlichkeit und das öffentliche Interesse an den Arbeitsergebnissen festgelegt. In der Praxis gibt es keine eindeutigen Hinweise, welche Arbeitsfelder für den Einsatz von MAE-Kräften besonders geeignet sind.

Wenn es um den Erhalt oder die Vermittlung von beruflichen Qualifikationen geht, sind alle Bereiche geeignet, denn die Spannbreite der Qualifikationen und Berufserfahrungen bei den potentiellen MAE-Kräften sind sehr breit angelegt. Einsatzbereiche für MAE-Kräfte, die arbeitsorganisatorisch nahe am allgemeinen Arbeitsmarkt angesiedelt sind, bieten nach meiner Beobachtung eher die Chance auf Eingliederung. Bei der Fluktuation regulärer Beschäftigter haben dann die MAE-Kräfte eine Chance, deren Leistungsfähigkeit der Arbeitgeber bereits kennt. Solche positiven Beispiele haben wir z. B. im Pflegebereich.

Periskop:
Wie werden diese Arbeiten von MAE-Kräften hinsichtlich des Ehrenamtes gesehen? Stehen sie in Konkurrenz dazu?

Herr Menninger:
Es gab bei der Einführung von MAE`s in unserem Verband die Befürchtung, dass das Ehrenamt dadurch verdrängt wird. Diese Befürchtung habe ich noch nie geteilt, da wir sonst bereits in der Vergangenheit beim Einsatz von ABM-Kräften in unseren Einrichtungen diese Entwicklung hätten beobachten müssen.

Die Rahmenbedingungen für das Ehrenamt sind einfach anders gelagert. Wir raten unseren Mitgliedsorganisationen auch, beide Felder organisatorisch und strukturell zu trennen.

Eine flächendeckende Studie der Uni Halle zum Stand des bürgerschaftlichen Engagements in unserem Landesverband vom Sommer diesen Jahres beschäftigte sich auch mit diesem Aspekt. Bei den Experteninterviews im Rahmen der Studie wurden die Befürchtungen der Verdrängung ebenfalls geäußert, praktische Belege dafür wurden jedoch nicht genannt. Sicher werden wir hier als Verband am Ball bleiben und die Entwicklung beobachten. Ich bleibe jedoch optimistisch, dass es keine Verdrängung geben wird.

Mein Optimismus wird auch durch eine Studie unserer Paritätischen Akademie ebenfalls aus diesem Jahr gestützt, denn sie zeigt, dass das bürgerschaftliche Engagement in Berlin in den letzten Jahren deutlich über dem Bundesniveau zugenommen hat. Es gibt daher kein generelles Indiz für die Verdrängung des Ehrenamtes durch beschäftigungsgeförderte Arbeit.

Periskop:
Haben die MAE Auswirkungen auf die hauptamtlichen Beschäftigten?

Herr Menninger:
Auch bei dieser Frage kann ich auf eine Studie verweisen, die eine Studentin der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege über den Einsatz von MAE bei unseren Mitgliedsorganisationen ebenfalls in diesem Jahr durchgeführt hat.

Auch wenn die Studie nicht repräsentativ angelegt war, belegen die Ergebnisse, dass es keine Gefährdung bestehender Arbeitsplätze gibt. Im Schnitt kamen auf 10 Hauptamtliche etwa ein bis zwei MAE-Kräfte. Bei diesem Verhältnis sehe ich keine Gefahr für die Arbeitsplätze der Hauptamtlichen, sondern durch das Kriterium der Zusätzlichkeit eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit unserer Dienste, da sich die Hauptamtlichen auf ihre eigentliche Tätigkeit konzentrieren können. Auch das wurde durch die Studie bestätigt. Wir haben von Anfang an im Verband dafür geworben, die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten breit anzugehen, damit die vielfältigen Möglichkeiten unter Berücksichtigung der Zusätzlichkeit genutzt werden können.

Unsere Strategie ist aufgegangen, weil Träger als Vermittler zwischen den Arbeitsgemeinschaften und den Einsatzstellen auftreten. In der Regel sind es Beschäftigungsträger, die die Bündelung der Einsatzstellen übernehmen und den Vermittlungs- und Qualifikationsprozess organisieren.

Periskop:
Welche Ergebnisse hat die Studie noch gebracht?

Herr Menninger:
Kurz zusammengefasst zeigt die Studie, dass die politischen Ziele, die wir mit den MAE`s verfolgen, erreicht werden. Es wird bei den Auswahlkriterien der MAE-Kräfte überwiegend auf Vorqualifikationen und auf die Eignung geachtet.

Ebenso wird umfangreich qualifiziert und die Erwerbsfähigkeit der Langzeitarbeitslosen wiedererlangt oder gehalten. Dass wir am Ende damit keine dauerhaften Arbeitsplätze schaffen können, haben wir immer deutlich gemacht. Wie viel reguläre Arbeitsplätze wir schaffen können, hängt im Ergebnis von den Arbeitskosten und von der staatlich oder privat finanzierten Nachfrage nach sozialen Dienstleistungen ab.

Periskop:
Wir danken Ihnen für das Gespräch.