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Periskop 2004 / 01
Interview
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Interview
mit der stellvertretenden Leiterin der Abteilung Arbeitsmarkt, BDA,
Ilka Houben


Periskop:
Nach Wegfall des Monopols der vormaligen Bundesanstalt für Arbeit übernehmen zunehmend private Personal- und Arbeitsvermittler die Besetzung von vakanten Arbeitsstellen. Liegen Ihnen Ergebnisse vor, ob dies positivere Auswirkungen bei der Besetzung von Arbeitsstellen hat?

Frau Houben:
Die BDA hatte sich bereits frühzeitig dafür eingesetzt, das Vermittlungs-Monopol der Arbeitsverwaltung in Deutschland aufzugeben und stärker wettbewerbliche Strukturen zu etablieren. Aus Sicht der Arbeitgeber stärkt die Konkurrenz der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit privaten Arbeitsvermittlern und Zeitarbeitsfirmen die Vielfalt und Qualität der Angebote und damit die Souveränität der Kunden, also die von Arbeitgebern und Arbeitsuchenden. Mittelfristig wird dies insgesamt zu besseren Ergebnissen im Bereich der Vermittlung führen, auch bei der BA und ihren Agenturen für Arbeit. Es kann daher bei der Neupositionierung der BA zu einem modernen Dienstleister am Arbeitsmarkt mit einem klaren Schwerpunkt auf Vermittlung gerade nicht darum gehen, daß im Bereich der Vermittlung wieder allein die Marktführerschaft angestrebt oder übernommen wird. Viele Unternehmen arbeiten inzwischen eng mit privaten Arbeitsmarktdienstleistern und auch Online-Jobbörsen bei der Rekrutierung von Mitarbeitern, von deren Qualität sie überzeugt sind.

Periskop:
Können private Personal- und Arbeitsvermittler eine bessere Arbeitsqualität bieten? Wenn ja, welche?

Frau Houben:
Private Arbeitsmarktdienstleister können vor allem dort einen besonders positiven Beitrag am Arbeitsmarkt leisten, wo spezifische Kundengruppen gezielt vermittelt werden sollen. Dies betrifft nicht nur den Bereich der sog."High Potentials", in dem Unternehmen unmittelbar bereits seit langem Unterstützungs- und Beratungsleistungen am Markt einkaufen. Gerade bei der Integration von Zielgruppen, also vor allem von Langzeitarbeitslosen, geringer Qualifizierten oder auch behinderten Menschen kommt der Kooperation der Agenturen für Arbeit mit privaten Personaldienstleistern inzwischen eine wachsende Bedeutung zu. Durch die Spezialisierung der Dienstleistungsunternehmen ist häufig eine intensivere Beratung und Unterstützung der Kunden sowie auch eine stärker assistierte Vermittlung möglich. Dies alles trägt zu einer erfolgreichen Arbeit der Personaldienstleister bei.

Periskop:
Halten Sie die Einführung von Qualitätsstandards für die private Personal- und Arbeitsvermittlung für sinnvoll?

Frau Houben:
Die BDA setzt sich seit langem dafür ein, die Eigenverantwortung der Arbeitssuchenden zu fördern und zu fordern. Durch die Ausgabe von Vermittlungsgutscheinen zur Unterstützung durch private Dienstleister kann diesem Anliegen stärker Rechnung getragen werden. Zugleich ist es im Sinne eines effektiven Leistungswettbewerbes und Verbraucherschutzes dann aber auch notwendig, Qualitätsstandards im Bereich der privaten Arbeitsvermittlung einzuführen.

Periskop:
Welche Grundanforderungen sollten mindestens Ihrer Meinung nach erfüllt werden?

Frau Houben:
Die BDA hat intensiv an der Erarbeitung der Qualitätsstandards im Bereich der privaten Arbeitsvermittlung mitgewirkt. Neben selbstverständlichen Grundanforderungen wie der Zuverlässigkeit der Vermittler oder einschlägiger fachlicher Voraussetzungen, also der Kenntnis des regionalen Arbeitsmarktes und seiner Akteure oder auch von Branchen- und Berufsprofilen, ist aus Sicht der BDA vor allem wichtig, den eigentlichen Vermittlungsprozeß klar zu definieren. So muß eine klare Leistungsbeschreibung erfolgen, in der die zu erbringende Dienstleistung und auch das vereinbarte Honorar festgelegt werden. Die einzelnen Vermittlungsaktivitäten sollten dokumentiert werden und vor allem soll nachgewiesen werden, daß sich die Vermittlung an den Bedarfen der Unternehmen orientiert. Wichtig für die Arbeitssuchenden selbst und zur Entlastung der Beitragszahler zur Arbeitslosenversicherung sind vor allem hohe Vermittlungs- und Integrationserfolge sowie die dabei erreichte Schnelligkeit.

Periskop:
Halten Sie die Zertifizierung für notwendig?

Frau Houben:
Die Qualitätssicherung hat für uns hohe Priorität. In erster Linie muß es auf dem freien Vermittlungsmarkt darum gehen, die Rahmenbedingungen für einen echten Leistungs-Wettbewerb unter den Anbietern weiter zu verbessern, der dann auch bessere Integrationsergebnisse mit sich bringt. Eine verpflichtende Zertifizierung von privaten Arbeitsvermittlern ist derzeit nicht angezeigt. Denn nicht selten bedeuten diese Prüfverfahren einen großteils teuren und bürokratischen Aufwand. Überdies könnte mit einer verpflichtenden Zertifizierung der Marktzugang gerade für neue, kleinere und ggf. hoch spezialisierte Anbieter wieder begrenzt werden. Es sollte jedoch klar sein, daß sich seriöse Anbieter freiwillig strengen und transparenten Qualifizierungskriterien unterziehen müssen, um am Markt zu bestehen. Eine freiwillige Zertifizierung von Anbietern vor allem nach den ISO-Normen wird dabei von der Wirtschaft, in der diese Instrumente des Qualitätsmanagements entwickelt worden sind. Nachhaltig unterstützt.

Periskop:
Wie ist Ihre Meinung zu den Vermittlungsgutscheinen von den Agenturen für Arbeit? Halten Sie dies für eine sinnvolle Maßnahme?

Frau Houben:
Aus Sicht der Arbeitgeber sollte die Arbeitsförderung insgesamt stärker über die Ausgabe von Gutscheinen organisiert werden. Damit sollen die Geförderten in die Lage versetzt werden, sich als eigenverantwortliche Nachfrager am Markt den für sie am besten geeignetsten Dienstleister frei auswählen zu können. Die BDA hat daher die Einführung von Vermittlungsgutscheinen im Gesetzgebungsverfahren nachhaltig begrüßt. Zugleich haben wir jedoch auch deutlich gemacht, daß die bisherige Ausgestaltung noch nicht optimal gelungen ist. So sollte es über eine Basisleistung hinaus möglich sein, daß sich Arbeitslose selbst an der Finanzierung der Vermittlung beteiligen, denn so wird ein verstärkter Anreiz gesetzt, wirkliche Qualität im Vermittlungsverfahren einzufordern. Darüber hinaus sollte sich die Höhe der Gutscheine nicht an der Dauer der Arbeitslosigkeit orientieren, denn so bleibt es für alle Seiten attraktiver, für einen höheren Gutschein länger arbeitslos zu bleiben und zu spät mit der Jobsuche zu beginnen. Wesentlich sinnvoller wäre es, die Gutscheine nach dem Grad der Vermittlungshemmnisse zu staffeln. Dies erfordert im Vorfeld ein qualifiziertes Profiling, das ganz klar die Stärken und Schwächen des Arbeitslosen analysiert.

Periskop:
Liegen Ihnen Erkenntnisse über den Mißbrauch mit dem Vermittlungsgutschein vor?

Frau Houben:
Erster Ansprechpartner bei mißbräuchlicher Nutzung von Gutscheinen ist die BA. Wenn klar zu erkennen ist, dass Vermittlungsgutscheine bewußt falsch eingesetzt oder abgerechnet werden, muß dem selbstverständlich konsequent ein Riegel vorgeschoben werden. Um Ein-Tages-Arbeitsverhältnisse auszuschließen und um Mißbrauch und Mitnahmeeffekte zu begrenzen, wäre es durchaus denkbar, z. B. die Auszahlung der Gutscheine an die privaten Vermittler erst nach vier Wochen vorzunehmen.

Periskop:
Könnten Sie sich eine gezieltere Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, die absehbar massiv Personal abbauen müssen und privaten Personalvermittlern vorstellen? Z. B. dass sie im Rahmen eines Sozialplans als eine Art Auffanggesellschaft fungieren, weil gut geschultes Personal sich besser vermitteln läßt als z. B. Langzeitarbeitslose?

Frau Houben:
Bereits heute arbeiten viele Unternehmen, die vor Personalanpassungen stehen, gezielt mit Dritten zusammen. Dies reicht von Instrumenten des Outplacements im Einzelfall bis hin zu eigenen Transfergesellschaften im Rahmen von Transferkurzarbeitergeld oder Sozialplanmaßnahmen. Idealtypisch finden die ehemaligen Mitarbeiter durch eine gezielte Vermittlung und präventive Maßnahmen, teilweise auch kombiniert mit einer Anpassungsqualifizierung, unmittelbar einen neuen Arbeitsplatz. Auch hier muß die Integration in den ersten Arbeitsmarkt immer im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen. Reine Auffanggesellschaften lehnen wir hingegen ab, weil sie die Arbeitslosigkeit nur statistisch verdecken und den Beteiligten gerade keine neuen Jobperspektiven bieten.


Vielen Dank für das Gespräch