Verein zur Förderung von Arbeit, Forschung und Bildung e.V.
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Periskop 2000 / 01
Sylvia Moede
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AFB - in eigener Sache
IdA - Ein Zwischenbericht


Sylvia Moede

 


Der AFB e.V. begann am Ende des Jahres 1998 als einer der ersten Träger, das IdA - Programm zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit im Stadtteil Neukölln umzusetzen.

Im Rahmen des Programmes "IdA - Integration durch Arbeit" sollen langzeitarbeitslose Sozialhilfeempfänger, vorwiegend Jugendliche, wieder in das Berufsleben integriert werden. Die Form der Integration besteht dabei aus einer Mischung von Beschäftigung und Qualifizierung. In diesem Programm werden dazu die Instrumente des Bundessozialhilfegesetzes (BSHG), des Arbeitsmarktpolitischen Rahmenprorgamms (ARP), des SGB III und des Europäischen Sozialfonds genutzt.

Um das Programm umgehend starten zu können, mußten als Vorarbeit innerhalb kürzester Zeit mögliche spätere Einsatzstellen in den verschiedensten öffentlichen und gemeinnützigen Bereichen akquiriert werden. Diese umfangreiche Akquise konnte binnen weniger Tage im November 1998 erfolgreich abgeschlossen werden.

Seit Dezember 1998 werden im AFB die verschiedenen Projekte im Rahmen des IdA - Programmes realisiert.

Insgesamt wurden im 1. IdA-Jahr 235 Sozialhilfeempfänger/innen aus Neukölln in den Projekten des AFB beschäftigt und qualifiziert. Der Träger AFB fungiert als verantwortlicher Arbeitgeber, die Einsatzstellen der Teilnehmer/innen befinden sich gemäß den Vorgaben außer Haus in öffentlichen Einrichtungen, Kindertagesstätten, Grünflächenämtern u.ä..

Den Anteil von theoretischer Qualifizierung im Rahmen von 20 % der Arbeitszeit übernimmt der AFB als Träger im eigenen Haus.

Um IdA so reibungslos wie möglich zu realisieren, war eine enge Kooperation zwischen den beteiligten Ämtern, den Servicegesellschaften, den Einsatzstellen und den Trägern von Anfang an von besonderer Relevanz. Zu Beginn des Programmes gab es bei allen beteiligten Institutionen viele Unklarheiten über den Ablauf. Aufgrund von Engpässen an verschiedenen Schnittstellen gab es in den ersten IdA-Monaten erhebliche Probleme im Finanzierungsfluß. Die Träger und besonders die Teilnehmer/innen waren dadurch von vielen Unannehmlichkeiten betroffen. Die Gelder flossen viel zu spät an den AFB, dieser konnte die Gehälter nicht pünktlich an die Teilnehmer zahlen, die Teilnehmer waren dadurch natürlich sehr unzufrieden und gleich in den ersten Tagen und Wochen wieder demotiviert. Die IdA-Teilnehmer/innen sind aufgrund ihrer problematischen sozialen Situation natürlich besonders auf regelmäßige und pünktliche Zahlungen angewiesen, sie verfügen über keine finanziellen Spielräume.

Damit war leider die Chance eines einigermaßen reibungslosen und konfliktfreien Starts verpaßt. Mit erheblichem Aufwand mußten die Integrationsberater/-innen diesen anfänglichen Vertrauensverlust bei den Teilnehmern wieder ausgleichen.

Im Laufe des Jahre 1999 führten weitere Einstellungen über IdA zu einer Anzahl von 298 abgeschlossenen Arbeitsverträgen bei insgesamt 63 Kündigungen. Aus arbeitsrechtlichen und disziplinarischen Gründen mußten 42 dieser Kündigungen vom Arbeitgeber ausgesprochen werden, die anderen IdA-Mitarbeiter kündigten selbst.

Die Beschäftigungsfelder, in denen der Einsatz der IdA-Teilnehmer/innen erfolgt, liegen in den Bereichen :"Stadtgrün" bei den Grünflächenämtern, Hausmeisterbeistellkräfte in Schulen, Bürokraft bzw. Hilfskraft bei der BSR, Jugend-/Kitabereich in Schulen, Kitas und Jugend- und Freizeiteinrichtungen, Bürohilfen in öffentlichen und gemeinnützigen Institutionen, Lehrerhilfen in den öffentlichen Schulen, Küchenhelfer in städtischern Einrichtungen und Seniorenhelfer in öffentlichen Pflegeheimen.

Anfängliche Vorbehalten verschiedener Einsatzstellen gegenüber dem IdA-Projekt (z.T. aufgrund negativer Erfahrungen mit gzA-Kräften vom Sozialamt) konnten durch den überwiegend engagierten Arbeitseinsatz der IdA-Mitarbeiter vor Ort abgebaut werden.

Die zu Beginn aller IdA-Projekte angebotene Fortbildung "Konflikt- u. Kommunikationstraining" trug deutlich zum Durchhaltevermögen und zur Stärkung von persönlichen und sozialen Kompetenzen bei. Die Kursteilnehmer tauschten sich untereinander über ihre Praxiserfahrungen oder -Probleme aus und erwarben nach ihrer oft langjährigen Arbeitslosigkeit wesentliche Basiskompetenzen, die ihre Anpassungsfähigkeit erhöhten und zur Verbesserung der Motivation beitragen konnten.

In enger Zusammenarbeit mit den Einsatzstellen standen in den Qualifizierungen und Betreuungen, neben dem Ersterwerb von Berufserfahrungen, die Entwicklung von Fähigkeiten wie Verbindlichkeit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Selbständigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Selbstorganisation zu Verbesserung der Vermittlungschancen im Vordergrund.

Bei der Erstellung und Umsetzung des individuellen Entwicklungsplans für jeden IdA-Mitarbeiter ergaben sich in Gesprächen und durch die Rückläufe aus den Einsatzstellen und der Dozenten realistische Einschätzungen der persönlichen Kompetenzen und weiteren Möglichkeiten des jeweiligen Teilnehmers. Die gemeinsame individuelle Jahresplanung zielte auf eine aufbauende Entwicklung und Qualifizierung mit dem letztlichen Ziel einer beruflichen Orientierung und Integration.

Neben dem Erwerb von Sozialversicherungsansprüchen aus der 1-jährigen IdA-Tätigkeit trägt oft das erstmals selbständige Verwalten des Einkommens, die Einrichtung eines eigenen Kontos, die mögliche Schuldenregulierung und der Umzug in eine eigene Wohnung zur persönlichen Stabilisierung bei.

Einigen Mitarbeitern, deren starke persönliche Probleme erst nach dem Einstellungsgespräch bei der praktischen Arbeit erkennbar wurden (z.B. Alkohol-/Drogenkonsum, psychische Überforderung bei regelmäßiger Arbeit, extreme Unzuverlässigkeit), versuchte der AFB mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen, um eine Teilnahme an der Maßnahme aufrecht zu erhalten. In den meisten Fällen aber mußten diese Mitarbeiter/innen während der Probezeit entlassen werden. Andere wenige konnten durch regelmäßige psychosoziale Unterstützung von Integrationsberatern oder externen Fachkräften in ihrer Arbeitsbereitschaft und -fähigkeit stabilisiert werden.

Während des laufenden Projektes stellte sich heraus, daß der Arbeitsschwerpunkt der Integrationsberatung in der gezielten sozialen Betreuung und Unterstützung der IdA-Mitarbeiter liegt. Das soziale "Auffangen" und Stabilisieren beansprucht den größten Anteil der beruflichen Integrationsarbeit und stellt damit den zentralen Aspekt in der Arbeit mit dieser Zielgruppe dar.

Zu Anfang hatte sich gezeigt, daß die Motivation und das Interessen der IdA-Mitarbeiter, an Qualifizierungen teilzunehmen, äußerst gering war. Im Laufe der Maßnahmen konnte die Motivation zur regelmäßigen Teilnahme an den angebotenen Qualifizierungen signifikant erhöht werden. Zunehmend konnten die Teilnehmer aus den Seminaren die angestrebte Persönlichkeitsstabilisierung gewinnen und erkannten die positive Auswirkung auf ihre soziale und berufliche Entwicklung. Neben den positiven Rückmeldungen im Anschluß an die Seminare ist dies durch eine Erhöhung der durchschnittlichen Teilnehmerzahl - trotz zum Teil sehr hohen Krankenständen - erkennbar.

In Bezug auf eine mögliche spätere Vermittlung aus IdA heraus wurde während der gemeinsamen Erstellung der Einarbeitungs- und Entwicklungspläne deutlich, daß häufig erhebliche Diskrepanzen zwischen den Folgeerwartungen der Teilnehmer/innen und den realen Möglichkeiten des Arbeitsmarktes lagen. Einige Teilnehmer setzten z. B. starke Hoffnungen in eine spätere Übernahme ihrer Person durch die Einsatzstellen.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnten mit Unterstützung des AFB 9 IdA-Mitarbeiter eine Stelle am 1. Arbeitsmarkt, 1 IdA-Mitarbeiter eine Stelle am 2. Arbeitsmarkt und weitere 8 Mitarbeiter eine Ausbildung antreten. Zwei Personen gründeten in dieser Zeit, durch motivierende Integrationsberater gestärkt, eine eigene Existenz und machten sich selbständig.

Die Praxis hat gezeigt, daß für die erfolgreiche Umsetzung des IdA-Programms die Einrichtung einer beim Träger angesiedelten Vorschaltmaßnahme zur Auswahl von IdA-Mitarbeitern sehr sinnvoll wäre. Für das 2. IdA-Jahr wurden diese Vorschaltmaßnahmen eingerichtet und durchgeführt. (siehe Artikel)

Dadurch werden Problemfälle (Alkohol/Drogen/Nichtmotivation) vorzeitig erkennbar, inhomogene Gruppenzusammensetzungen können vermieden werden und nicht ausreichend motivierte oder psychisch überforderte Interessenten werden von der Teilnahme am IdA-Jahr abgehalten. Auch zu geringe, für die Teilnahme aus der Maßnahme nicht ausreichende deutsche Sprachkenntnisse (schriftsprachliche/Analphabetismus) sind dann rechtzeitig zu erkennen und können andere Empfehlungen nach sich ziehen.

Die derzeit noch in IdA I tätigen 163 förderfähigen IdA-Mitarbeiter werden bis zum Ablauf des ersten Maßnahmejahres weiterhin kompetent von den Integrationsberatern betreut und zum möglichst erfolgreichen Abschluß der jeweiligen Maßnahme geführt.

Die Beendigung der Maßnahme kann als erfolgreich angesehen werden, wenn einerseits eine Stabilisierung der persönlichen Situation des Teilnehmers erkennbar ist, andererseits die fachlichen, sozialen und persönlichen Kompetenzen einen Zuwachs verzeichnen und im besten Falle sogar eine Vermittlung.