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Periskop 1997 / 03
Dorit Gade
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Editorial

 

Steigende Arbeitslosigkeit, mäßiges Wirtschaftswachstum und knappe finanzielle Mittel wirken sich direkt auf die Arbeitsmarktpolitik aus. Die Konsequenzen spüren auch die Beschäftigungsgesellschaften. So wird es immer schwieriger, finanzielle Zuwendungen zu erhalten bei gleichzeitig deutlich höheren Anforderungen. Ein Lösungsmodell für Beschäftigungsgesellschaften weniger von staatlichen Mitteln abhängig zu sein, ist die Diskussion um Marktbeteiligung.

Bevor im folgenden die unterschiedlichen, zum Teil konträren Sichtweisen aufgezeigt werden, soll die Aufmerksamkeit auf die Aufgaben der Beschäftigungsgesellschaften gelenkt werden.

Die Wirtschaft ist derzeit nicht in der Lage, eine statistische Vollbeschäftigung zu gewährleisten und solange die Bedingungen nicht attraktiver gestaltet werden, wird sich an dieser Situation auch in naher Zukunft nichts ändern. Arbeitslosigkeit muß aus heutiger Sicht als fester Bestandteil in der Arbeitsmarktpolitik anerkannt und entsprechend behandelt werden.

Somit besteht für die Gesellschaft und den Staat die solidarische Aufgabe, die in die Arbeitslosigkeit gedrängten Personen aufzufangen.

Mit dieser Aufgabe befassen sich im Schwerpunkt die Beschäftigungsgesellschaften. Es ist eine Illusion zu glauben, daß alle Arbeitslosen, unabhängig von der Dauer und der persönlichen Situation nach einer 3-, 6 monatigen oder einjährigen Maßnahme wieder fit für den ersten Arbeitsmarkt sind. Nur ein gewisser Prozentsatz der Arbeitslosen findet den Wiedereinstieg in den regulären Arbeitsmarkt. Was passiert aber mit dem Rest der Arbeitslosen? Auch sie sind in der Lage einer gesellschaftlich sinnvollen Tätigkeiten nachzukommen. Dies betrifft in der Regel Arbeiten, die von der Wirtschaft als nicht rentabel eingestuft werden und deshalb dort kein Interesse zur Durchführung besteht.

In einer Zeit, wo Arbeitslosigkeit nicht einmal mehr statistisch zu verleugnen ist, besteht die Aufgabe der Beschäftigungsgesellschaften darin, dieses Arbeitspotential sinnvoll einzusetzen.

Man kann eine Generation von Jugendlichen, die keinen Arbeits- oder Ausbildungsplatz erhalten haben, nicht selbst überlassen. Man darf ältere Arbeitnehmer, die über ein profundes Wissen verfügen, nicht ausschließen und ihnen den Zugang zu einer eigenen Erwerbsquelle verschließen.

Es ist erforderlich und sinnvoll, zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit neue Lösungsmodelle zu suchen und zu erproben. Es ist auch wünschenswert, den Beschäftigungsträgern neue Finanzquellen zu ermöglichen, um von den unsicheren Förderungen unabhängiger zu werden. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, daß diese Aufgaben auch zu bewältigen sind.

Marktbeteiligung von Beschäftigungsgesellschaften bedeutet, höheren Qualitätsanforderungen gerecht zu werden, höhere Produktivität und Effektivität bei gleichzeitiger Forderung, nicht wettbewerbsverzerrend zu agieren. Die knappen Zuwendungen ermöglichen den Beschäftigungsgesellschaften nur eine gering dotierte Bezahlung der Personen, das bedeutet heute fast immer, die Einstellung von unausreichend qualifiziertem Personal, das einen sehr hohen Betreuungsaufwand erfordert. Mit diesem Personenkreis ist in der Regel keine Marktbeteiligung zu realisieren, weil sie nicht schnell genug, nicht qualifiziert genug und nicht genügend belastbar sind. Nur durch Kürzungen der Zuwendungen bei immer höheren Auflagen nach dem Minimax- Prinzip, kann kein nahtloser Übergang zu mehr Marktbeteiligung entstehen.

Wir hoffen, mit dieser Ausgabe einen Beitrag zum Dialog um das vieldiskutierte Thema der Marktbeteiligung von Beschäftigungsgesellschaften zu leisten.

Für die Redaktion Dorit Gade